mm bild12. Textile Art Berlin  9. und 10. Juli 2016

Ein Nachbericht von Monika Modersitzki

„Liebe Besucher, wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“ Professionalität und Kreativität zeichnete die 12. Textile Art Berlin als internationale Textilkunst-Messe auch dieses Jahr wieder aus.
Mit ihrer erfrischenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gestalteten die Schülerinnen und Schüler der Carl-von-Ossietzky-Schule das Ankommen und den Aufenthalt für die Teilnehmer und Gäste auf angenehmste Weise:  Sie führten „verloren gegangene Besucher“ zu ihrem Platz, sie gaben leckeres Essen aus und sorgten auch mit ihrem Workshop für gute Laune. Wenn nun ab 2017 die Textile Art Berlin mit neuen Kooperationspartnern und an einem anderen Veranstaltungsort stattfinden wird: Ihr lieben helfenden Schülerinnen und Schüler der Carl-von-Ossietzky-Schule, wir werden euch vermissen! Euch, euren Lehrern und Eltern herzlichen Dank!

Mit der Einladung von Nathalie Wolters zur Textile Art Berlin hatte die Gröbenzeller Quiltgruppe unter der Leitung von Gabriele Bach erneut die Möglichkeit, ihre Arbeiten zum Thema „Blick in den Orient“ großflächig auszustellen und einem Fachpublikum zu präsentieren. Gleichzeitig beteiligten sich einige der Gruppenmitglieder an dem geschlossenen Wettbewerb der Textile Art Berlin „Jahressampler 2017- Pastell“, der nur den Teilnehmern der Messe offenstand.

Wer den Orient auf der Textile Art Berlin suchte, der fand ihn unübersehbar in den (Toren und Kaftanen) Arbeiten der Gröbenzeller Quiltgruppe. Doch wer genauer hinschaute und sich auch abseits des Hauptweges - vorbei am Schüler-Spezialitätencafé - begab, der fand den Orient „en miniature“. Die osmanisch-türkischen Motive, wie z. B. das Cintamani-Motiv und die Tigerstreifen, waren auch gefilzt gut zu erkennen. Die Ausstellung von Arzu Evecen zeigte ein Repertoire an osmanisch-türkischen Motiven in Form von Lederarbeiten als zeitgenössische Kunst. Zurückblickend auf unsere Gemeinschaftsausstellung mit der türkischen Gastgruppe in Gröbenzell fiel uns insbesondere die Ausstellung „Idols“ von Emine Kocak ins Auge: die Frau als Muttergöttin, als Symbol der Fruchtbarkeit dargestellt mittels unterschiedlicher Sticktechniken.
Marie Christine Chammas präsentierte ihren „Glücksbringer“-Quilt.  Auf den ersten Blick erschien die Komposition ähnlich der eines Amish-Quilts. Beim längeren Betrachten erkannte man jedoch an den Farben den Bezug zum augenförmigen Amulett, der im Orient den bösen Blick abwenden soll.

Weben, Stricken, Klöppeln, Filzen, Sticken als traditionelle Techniken konnten bestaunt und erprobt werden. Als  zeitgenössisches Statement ist die Ausstellung von Dana Mikelson „MESMERIZE“ aufgefallen: Die gelungene und  außergewöhnlich ästhetische Verbindung von textilem Material und Draht zu Skulpturen hat beeindruckt.

Die diesjährige Modenschau unter dem Motto „Besonderheiten“ ließ Pia Fischer mit der eindringlichen Ermahnung zur kreativen Umgestaltung  enden: Wir sollen mutiger werden, wir sollen den überbordenden Reichtum unseres Kleiderschrankes nutzen. Modisch „Ausgedientes“ lässt sich noch mit Fantasie und Kreativität in Fashion-Unikate verwandeln. Besonderheiten, Unikate - auch der Umgang mit Flüchtlingen und gesellschaftlichen Veränderungen ließe sich mit der Beschäftigung und Anerkennung des Besonderen meistern.

Wieder haben wir mit unseren Arbeiten überzeugen können: Viele Besucher bewunderten unser akkurates Handwerk und die Kreativität, mit der die Gröbenzeller Quiltgruppe das selbst gestellte Thema umsetzen konnte. Man befand, dass diese Arbeiten abseits der Norm lägen. Es wundert also nicht, dass einer der Kaftane nun auch noch in Birmingham zu sehen sein wird.

Wir bedanken uns bei allen, die die Textile Art Berlin 2016 für uns wieder zu einem inspirierenden Erlebnis gemacht haben.